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DenkmalWacht / MonumentenWacht
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Ausgangslage
Ein verschlissenes Auto gefährdet Menschenleben, deshalb ist der TÜV für
Fahrzeuge selbstverständlich Pflicht. Eine ähnliche Vorsorge für Gebäude ist in Deutschland
bislang eher unüblich. Einige Schlösser- und Gartenverwaltungen
führen zwar Kontrollen durch. Neubauten
werden eher selten regelmäßig überprüft. Doch spätestens seit dem Einsturz der Dächer
mehrerer Gebäude unter großen Schnee- bzw. Eislasten im Winter 2005/06
besteht die Einsicht, dass selbst moderne oder jüngst renovierte Altbauten und
Denkmale einer regelmäßigen Betreuung bedürfen.
Zielstellung
Für die regelmäßige Betreuung von Altbauten und Denkmalen in
Mecklenburg-Vorpommern sowie in allen anderen Bundesländern soll ein einheitlicher, flächendeckender Inspektionsdienst
(Denkmalwacht MV) eingerichtet
werden.
Es gilt nicht nur, den Bedarf an Reparaturmaßnahmen zu decken. Von großer Bedeutung ist
auch die dauerhafte Sicherung der vielen positiven Ergebnisse von Renovierungen und
Instandsetzungen, um die investierten Mittel, Arbeiten und Materialien
gegenüber den Steuerzahlern zu rechtfertigen.
Hierfür müssen einheitliche Kriterien und Standards entwickelt werden. Betreut
werden sollen zunächst die in jüngster Zeit renovierten Gebäude (eingetragene
Denkmale, aber auch andere denkmalwürdige Altbauten).
Der Inspektionsdienst soll neutral, unabhängig, gemeinnützig und nicht
kommerziell sein.
| Konkrete Aufgaben: |
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gründliche Erfassung des baulichen Zustands von instand
zu setzenden Gebäuden |
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Kontrolle der Gebäude im Rahmen jährlicher Inspektionen |
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Ausführung notwendiger Kleinreparaturen |
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Erstellung von Berichten einschließlich Empfehlungen und
Kostenschätzungen für größere Reparatur- bzw. Instandsetzungsmaßnahmen als
Basis für die Beauftragung von Architekten und Fachfirmen durch den
Gebäudeeigentümer |
Erste Initiativen in Mecklenburg-Vorpommern
Weit fortgeschritten sind die Vorbereitungen für einen Inspektionsdienst
nach niederländischem Vorbild (s. u.) seitens des Regionalen Planungsverbandes
Vorpommern. Daneben verfolgen seit jüngstem auch einige Mitglieder der
Arbeitsgemeinschaft zur Erhaltung und Nutzung der Gutsanlagen in
Mecklenburg-Vorpommern e. V. die Idee des Monumentendienstes für die Landkreise
Bad Doberan, Güstrow und Rostock (zukünftiger Großkreis „Mittleres Mecklenburg –
Rostock“). Diese lokalen Initiativen benötigen eine übergeordnete Stelle, die
sowohl allgemein gültige Prüfkriterien vermittelt, als auch die
Verbindung zu den europäischen Initiativen und Gremien pflegt. Diese Aufgabe
wurde in jüngster Zeit mehrfach an die Stiftung
Kulturerbe herangetragen, die diese Funktion für Mecklenburg-Vorpommern gerne
übernehmen will.
Bestehende Engagements in anderen Bundesländern
Angeregt durch das Vorbild der „Stichting Federatie Monumentenwacht Nederland“
wurde Ende Oktober 2003 die als gemeinnützig anerkannte DenkmalWacht
Brandenburg und Berlin e. V. gegründet. Der Verein konnte bisher drei
Probeinspektionen sowie einen ersten Ausbildungskurs zu Gebäudeinspektionen und
-reparaturen in Zusammenarbeit mit der IHK Potsdam und der Landesagentur für
Struktur und Arbeit Brandenburg (LASA) durchführen. Zurzeit entwickelt er die
Form für einen standardisierten Inspektionsbericht.
Seit 2004 arbeitet mit zunehmendem Erfolg und steigender Kundenzahl in
Ostfriesland der Monumentendienst – Info- und Wartungsdienst für historische
Gebäude in enger Anlehnung an die Monumentenwacht Groningen/Niederlande im
Rahmen eines EU-Interreg-Projekts und mit finanzieller Unterstützung des Landes
Niedersachsen, der Stiftung Niedersachsen, von Kreisen, Städten und Gemeinden.
Der Monumentendienst ist eine Initiative der gemeinnützigen Stiftung
Kulturschatz Bauernhof. Nach zwei Jahren Aufbauarbeit betreut der
Monumentendienst inzwischen fast 300 Gebäude mit unterschiedlichen Eigentümern
und unterhält zwei Einsatzfahrzeuge. (www.monumentendienst.de)
Der Inhaber eines privatwirtschaftlichen Beratungsdienstes für Eigentümer
historischer Gebäude, zugleich auch Mitglied des europäischen
Denkmalschutzverbandes Europa Nostra und der Deutschen Burgenvereinigung,
beschäftigt sich mit der Entwicklung einer nachhaltigen Denkmalpflege vor
allem aus Sicht der Eigentümer.
Die Bauwacht e. V. mit Sitz in Xanten wurde im Sommer 2005 gegründet und
versteht sich als Interessengemeinschaft von Denkmal- und Altbaubesitzern, die
in ganz Nordrhein-Westfalen arbeiten will. Der Verein bietet einen
Inspektionsdienst an, der regelmäßig durchgeführt und dokumentiert wird.
Durch den Einsatz von erfahrenen Fachleuten beschränkt man sich bei der
Inspektion auf die gebäudespezifischen Schadensschwerpunkte. (www.bauwacht.de)
Der Denkmal- und Altbaudienst Baden-Württemberg e. V. führte bereits
Inspektionen durch und hat mehrere Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens als
Mitglieder gewinnen können. Die Inspektionsarbeit wurde von dem zuständigen
Finanzamt ohne Schwierigkeiten als gemeinnützig anerkannt.
Der Altbau- und Denkmalservice (ADS) der Gesellschaft zur Erhaltung des
kulturellen Erbes e. V. mit Sitz in Fulda und Schwerpunkt in Hessen und Sachsen-Anhalt hat
ein Inspektionssystem (Computerprogramm) entwickelt, das ein frühzeitiges
Eingreifen bei beginnenden Mängeln ermöglicht. Es ist auf verschiedenste
Gebäudetypen anwendbar, kostengünstig und ein geeignetes Mittel zur Erlangung
einer Planungssicherheit. Es werden nur Mängel und Schäden dokumentiert
und nach der Dringlichkeit ihrer Beseitigung bewertet. Mögliche Schnittstellen,
z. B. zu Arbeitssicherheit, gesetzlichen Auflagen etc., werden in Abstimmung mit dem
Auftraggeber berücksichtigt. Das Ergebnis ist ein Inspektionsbericht, der den
momentanen Zustand des Gebäudes, mit Aussagen über den notwendigen
Reparaturbedarf, beschreibt und darüber hinaus Entscheidungshilfen für den
weiteren Handlungsablauf anbietet.
Außerdem arbeitet der ADS an einem
Handbuch für künftige Inspektoren. (www.denkmalservice.de)
Erstmals kamen die verschiedenen Vereine und Initiativen eines Inspektionsdienstes
in Deutschland im Rahmen der „denkmal 2004“ in Leipzig zusammen. Bei ihrem zweiten Bundestreffen Ende August 2005 in Brandenburg/Havel
haben sich diese Organisationen in der Bundesarbeitsgemeinschaft unabhängiger
Denkmalinspektionsdienste (BAUDID) zusammengeschlossen. (www.baudid.de)
Das Vorbild
Monumentenwachten gibt es seit rund 35 Jahren in den Niederlanden, seit
etwa 15 Jahren in Flandern/Belgien (hier auch für Innenausstattungen, Möbel,
Gemälde usw.), aber auch in Großbritannien („Maintain our Heritage“) und
Dänemark („Center for Bygningsbevaring“).
Zunächst
als Vereine organisiert, agieren die Wachten in den Niederlanden heute als
Stiftungen (je eine in jeder Provinz) mit einer gemeinsamen Dachstiftung.
Derzeit werden von insgesamt zirka 51.000 eingetragenen Denkmalen rund 17.000
Gebäude betreut. Dafür stehen mehr als 50 Zwei-Personen-Teams zur Verfügung – ausgestattet mit
Kleinlastwagen mit Computern sowie Werkzeugen und Materialien für
kleine Sofortmaßnahmen.
Befürchtungen von Architekten und Handwerkern, dass die Monumentenwacht ihnen
Arbeit wegnehmen würde, kehrten sich in das Gegenteil
um. Es gibt mehr Arbeit und Aufträge für alle, denn bis auf Kleinreparaturen
werden alle Maßnahmen von Fachfirmen unter Leitung denkmalpflegerisch
qualifizierter Architekten ausgeführt. Überdies arbeitet die Monumentenwacht eng
mit den Denkmalschutzbehörden zusammen, hat sich
dabei aber stets ihre Unabhängigkeit und Gemeinnützigkeit bewahrt.
Maßgeblich für den Erfolg der Monumentenwacht waren die anfängliche
Unterstützung durch das Finanzministerium, das bereits vor 35 Jahren den Vorteil
vorbeugender Maßnahmen einer nachhaltigen Denkmalpflege erkannte, sowie der niedrige
Mitgliedsbeitrag (heute ca. 45 Euro/jährl.) und geringe Stundensätze für den
Inspektionsdienst einschl. kleinerer Sofort-Reparaturen (heute
durchschnittlich 25 Euro/Std.). Inzwischen macht die amtliche Denkmalpflege in
den Niederlanden eine
Mitgliedschaft in der Monumentenwacht zur Bedingung für die Gewährung staatlicher Zuschüsse
bei Renovierungsmaßnahmen. Derzeit sind in den Niederlanden 12.377
Gebäudeeigentümer Mitglied der Monumentenwacht.
| Die Monumentenwacht benötigt Inspektoren, die
folgendes Profil aufweisen sollten: |
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Facharchitekt und/oder Bauingenieur |
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eigens für diese Tätigkeit ausgebildete junge
Bautechniker/innen, die physisch in der Lage sind, sich leicht und sicher
in und auf Gebäuden zu bewegen |
Die Darstellung basiert auf einem Referat von Angus
Fowler,
DenkmalWacht Brandenburg und Berlin, vom 22.11.2006
Was ist eine Inspektion?
Mit „Inspektion“ wird im Allgemeinen eine prüfende Tätigkeit im Sinne einer
Kontrolle durch einen Inspektor bezeichnet. Die Inspektion dient der
Feststellung des ordnungsgemäßen Zustandes eines Gegenstandes, eines
Sachverhaltes oder einer Einrichtung. In der Regel handelt es sich um eine
beamtete Tätigkeit.
Das Wort „Inspektion“ ist lateinischen Ursprungs und bedeutet soviel wie
„hineinsehen“ oder „Einsicht“.
Bei technischen Systemen ist die Inspektion ein Bestandteil der
Instandhaltung und umfasst Maßnahmen zur Beurteilung des Ist-Zustandes der
technischen Mittel des zu prüfenden Systems, vgl. TÜV für Kraftfahrzeuge.
In der Software-Entwicklung werden unter Inspektion verschiedene Methoden
verstanden, bei denen Gutachter die Gebrauchstauglichkeit oder eine andere
Qualität einer Software-Bedienoberfläche bzw. eines Quellcodes bewerten.
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